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Litzldorfer Zementwerk

Bayerns Geschichten


Vom Wanderparkplatz Litzldorfer Tal erreicht man bergan zum Sulzberg, schon nach wenigen Metern die ersten Kaskaden.

Im Litzldorfer Bergwald erfährt man mehr über die ersten Schritte der Industrialisierung Bayerns.

Zwischen den Buchen ragen die Schornsteine des verlassenen Zementwerks empor.

Bayern hat nur wenige, frühindustrielle Gebäude und Relikte, die uns erhalten sind.

Historisch war Bayern sehr landwirtschaftlich geprägt und Rohstoffe wie im Westen Deutschlands waren nur schwer zu bergen.

Erst 1844, mit der Gründung der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen, konnten Rohstoffe in größeren Mengen nach Bayern importiert werden. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts begann damit Bayerns Industrialisierung.


Lorenz Kloo, Sohn des Lederers, erkannte den Bedarf an Baustoffen und ersetzte die  Lohstampfmühle durch eine Zementmühle mit Brennofen. Das im Bach vorhandene Flyschgestein war der ideale Kalkmergel für die Herstellung und Produktion von Zement. Kalk und Ton waren bereits im richtigen Mischverhältnis vorhanden.

Etwas unterhalb einer kleinen Kaskade stand seither das kleine Zementwerk.

1890  kaufte ein Konsortium, ein Zusammenschluss mehrerer, selbständiger Unternehmer die sich in der immer wachsenden Nachfrage an Baumaterialien hohe Gewinne erhoffen.

Bereits ein Jahr später, 1891 begann der Bau des heutigen Litzldorfer Zementwerks mit seinen markanten Schornsteinen.



1894 ging dann das Zement- und Mühlwerk in Betrieb und da Wasserräder nicht die notwendige Energie aufbringen konnten, wurde eine, zu damaligen Zeiten hoch modernes Lokomobil, einer Dampf­maschine, eingesetzt.

Das für die Befeuerung benötigte Koks musste aufwändig und kostenintensiv zum Raublinger Bahnhof und von dort aus ganze 7km mit Pferdefuhrwerken herangefahren werden.

Durch den notwendigen Zukauf des Koks kam es zu ersten Zahlungsengpässen und Arbeiter mussten als Folge entlassen werden.

1898 brach dann auch noch im Zementwerk ein Feuer aus, das ganze 10 Tage lang durchbrannte, dass ein Wiederaufbau nicht wirtschaftlich gewesen wäre und damit das Ende des Zementwerks besiegelte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, Ende 1945 kam es noch zu einem weiteren Brennversuch, der ebenso erfolglos blieb.

30 Jahre später, 1976 wurde das historische Zementwerk unter Denkmalschutz gestellt und 1991 zum Industriedenkmal erklärt und teilweise restauriert. Die zwei, bis heute markanten Backsteinschloten blieben dabei erhalten und die übrigen Werksanlagen sind nur noch Ruinen.

Pläne vom gesamten Werk sind heute nur bruchstückhaft und kaum noch detaillierte und bestätigte Informationen vorhanden.

Seit 1995 pachtet die Gemeinde das Grundstück mit Gebäude und beschloss Anfang 2021, das Industriedenkmal „Zementwerk Litzldorf“ einzuzäunen und touristisch künftig nicht mehr zu bewerben.

Dem Bach entlang erreicht man wenig später, mit einem leichten Aufstieg den Litzldorfer Wasserfall, dessen Wasserlauf weniger ausgeprägt ist, wie man ihn vor 100 Jahren erwartet hätte, um die Mühlen anzutreiben.

Die Gewinnung der Baustoffe ist heute nur noch Geschichte, aber die Landwirtschaft in Litzldorf überdauerte die Zeit.

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